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Aktuelles aus der Schule - dasKurpfalz

Aktuelles aus der Schule - dasKurpfalz

Studienfahrt der 9. Klassen nach Berlin (29.5.-2.6.2017)

Erstellt von Andrea Steinebrey (StR’in) | |   Exkursion

Wissen – Werte – Tradition: Am Ende der Klassenstufe 9 wird dasKurpfalz seinem Motto mit der beliebten Studienfahrt in die Bundeshauptstadt gerecht.

 

Nicht nur die Fahrt selbst, auch die hohen Erwartungen seitens der SchülerInnen haben Tradition: „Werden wir in Berlin genug Freizeit haben?“ ist die im Verlauf eines jeden 9. Schuljahres wohl am häufigsten gestellte Schülerfrage. Am Montag, den 29. Mai war es endlich Zeit für Antworten: Die SchülerInnen bevölkerten mit ihren Klassen- und Geschichtslehrern (9a: Anette Adel, Klaus Leonhard, 9b: Dirk Steuber, Andrea Steinebrey) einen Bus des Busunternehmens Stefan Meyer-Reisen aus Planckstadt und brausten voller guter Laune und Vorfreude in Richtung Spreemetropole.

 

Da bei einer Studienfahrt traditionell das Wissen bzw. das Lernen im Vordergrund steht (genau das macht ja den Wert einer Studienfahrt aus), hatten wir im Vorfeld ein umfangreiches Programm aus vier Jahrhunderten zusammengestellt, dessen inhaltliche Bandbreite im Folgenden an einigen Beispielen dargestellt werden soll.

 

Einen ganzen Tag verbrachten wir beispielsweise in Potsdam und besuchten den „Alten Fritz“, den „Kartoffelkönig“ in seinem Sommerschloss Sanssouci. Der der Dynastie der Hohenzollern entstammende Friedrich II. (auch „Friedrich der Große“ genannt) war ab 1772 König von Preußen sowie Kurfürst von Brandenburg. Er gilt als Repräsentant des aufgeklärten Absolutismus und bezeichnete sich selbst als „ersten Diener des Staates“. Als solcher setzte er tiefgreifende gesellschaftliche Reformen durch (u.a. Abschaffung der Folter sowie Ausbau des Bildungssystems). Seine Sommerresidenz (frz. sans souci, ohne Sorge), die nach eigenen Skizzen im Stil des Rokoko zwischen 1745-47 errichtet wurde, ist eines der bekanntesten Hohenzollernschlösser der brandenburgischen Hauptstadt Potsdam und steht seit 1990 als Welterbe unter dem Schutz der UNESCO.

 

In diesem Sinne fortgebildet genossen wir eine ausgiebige Mittagspause in der beschaulichen Potsdamer Innenstadt (von den vielen Prominenten, u.a. Günter Jauch, die in Potsdam leben, haben wir leider gerade keinen beim Shoppen erwischt...). Körperlich gestärkt und mental erholt tauchten wir am Nachmittag in die so ganz andere Welt der Potsdamer Nachkriegskonferenz ein, die vom 17. Juli bis zum 2. August 1945 im Schloss Cecilienhof stattfand. Hier, auf dem Wohnsitz des letzten deutschen Kronprinzen Wilhelm von Preußen, trafen sich die Siegermächte des 2. Weltkrieges (USA: Truman; Großbritannien: Churchill, danach Attlee; Sowjetunion: Stalin), um über das Vorgehen in Deutschland sowie gegen das noch kämpfende Japan zu beraten. Ersteres fand Niederschlag im Potsdamer Abkommen, welches die Aufteilung Deutschlands in vier Besatzungszonen vorsah.

 

Einigen Schülern der 9b war der Tag aber noch nicht informativ genug: Auf eigenen Wunsch organisierte eine Gruppe mit Unterstützung von Herrn Steuber auf dem Heimweg spontan eine Führung durch das Olympiastadion.

 

Selbstverständlich haben wir auch in Berlin selbst jede Menge besichtigt. Dazu gehören intensive Führungen, wie z.B. die Unterwelten-Führung zu Bunkeranlagen des 2. Weltkrieges, die Führung zur Geschichte des deutschen Widerstandes während des NS-Regimes im Bendlerblock, aber auch die vielen Sehenswürdigkeiten, denen man auf  „Streifzügen“ begegnet (Checkpoint-Charlie, Friedrichstraße, Brandenburger Tor, Holocaust-Mahnmal, Alexanderplatz, Gedenkstätte der Mauertoten u.a.). Auch Shoppen und Freizeit kamen laut Schüleraussagen nicht zu kurz.

 

Einen besonderen Stellenwert nimmt traditionell die Geschichte und Kultur der DDR ein, die an Ort und Stelle eben viel lebensnaher als im Schulbuch vermittelt werden kann. Hier ist das DDR-Museum hervorzuheben, das durch eine beeindruckende Sammlung von Alltagskultur eine Vorstellung von einem nicht mehr existierenden Staat sowie der Unfreiheit seiner Bürger zu vermitteln vermag.

 

Einen traurigen Höhepunkt unseres Aufenthaltes in Berlin bildete der Besuch der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, die wie kaum ein anderer Ort in Deutschland mit der 44-jährigen Geschichte politischer Verfolgung in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) und der DDR verknüpft ist.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde im Nordosten Berlins ein sowjetisches Speziallager errichtet, nach dessen Schließung im November 1946 im Keller des Gebäudes das zentrale sowjetische Untersuchungsgefängnis für Ostdeutschland entstand. Im April 1951 übernahm das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) das Gefängnis und erweiterte es im November 1960 durch einen Neubau. Bis Januar 1990 wurde das Gebäude als zentrale Untersuchungshaftanstalt genutzt. Hier waren Tausende politisch Verfolgte inhaftiert, darunter fast alle bekannten Oppositionellen der DDR.

Nachdem wir in ebendiese Thematik durch einen Film eingeführt worden waren, hatten wir das Glück, von einem Zeitzeugen durch die Anlage geführt zu werden. Der ehemalige Lehrer hatte als junger Mann an den Protesten gegen die Ausbürgerung des DDR-kritischen Liedermachers Wolf Biermann im November 1976 teilgenommen, wofür er zu 18 Monaten (teilweise Einzel-)Haft verurteilt worden war. Von ihm erfuhren wir neben zahlreichen Fakten zur Geschichte des Gefängnisses auch seine eigene persönliche Geschichte hinter ebendiesen Mauern, innerhalb derer wir uns ja gerade befanden.

Die Schüler nutzten die Aufforderung Fragen zu stellen und trauten sich, auch Persönliches anzusprechen, was angesichts der Ungeheuerlichkeit der Erlebnisse wahrlich nicht leicht fällt. Sie wurden mit ehrlichen Antworten belohnt und es entwickelte sich ein fast vertrauliches Gespräch, in dem ein Mensch, der Schlimmes erlebt hat, Einblicke in persönliches Leid und Verzweiflung gab. Hier trafen mutige Schüler auf einen außerordentlich mutigen Menschen, dem es nach eigenen Angaben immer wieder sehr schmerzt, alte Wunden aufzureißen, der es aber dennoch tut, weil er in seinem Handeln einen Sinn sieht. Sein Ziel ist es, die Erinnerung an die 40-jährige SED-Herrschaft wachzuhalten und einer jungen Generation, die die DDR nicht mehr aus eigener Anschauung kennt und sich das Leben in einer kommunistischen Diktatur nicht vorstellen kann, bewusst zu machen, dass die Freiheit als höchstes persönliches Gut zu allen Zeiten geschützt und verteidigt werden muss. Tief beeindruckt verließen wir diesen traurigen Ort, der uns wertvoll und eine Lehre geworden war.

 

Manch einer mag sich gedacht haben, dass es sich nach dem Besuch der Gedenkstätte Hohenschönhausen für die 9b gut gefügt hat, den Berlin-Aufenthalt mit einem Besuch im Herzstück der deutschen Demokratie zu beenden, dem deutschen Bundestag, wo wir an einer Plenarsitzung teilnahmen und anschließend die Kuppel besuchten.

 

Als wir es uns am 2. Juni in „unserem“ Bus für die Heimfahrt gemütlich machten, hatten wir genug gelernt, genug erlebt, genug Spaß gehabt – eine schöne Tradition am Kurpfalz!

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