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Klasse 11: Zeitzeugenbesuch ("DDR/Kalter Krieg“)

Erstellt von Andrea Steinebrey (OStR’in/Fachleitung Geschichte) | |   dasKurpfalz

Am 3. Oktober 1990 trat die Deutsche Demokratische Republik der Bundesrepublik Deutschland bei und 40 Jahre deutsche Teilung gehörten der Vergangenheit an. Anlässlich dieses 30-jährigen Jubiläums der Wiedervereinigung hatten die Schülerinnen und Schüler der Stufe 11 Gelegenheit, erlebte Geschichte(n) aus der deutschen Diktatur im Osten zu erfahren und dabei hautnah zu erleben, dass und wie Erfahrungen aus dem geteilten Deutschland bis in die Gegenwart hinein wirken.

Das vierstündige Geschichtsprojekt am 15. Oktober 2020 fand selbstverständlich unter Einhaltung sämtlicher Corona-Regeln statt und bestand aus zwei Teilen: Zunächst wurden in einem zweistündigen Seminar zum Thema: „Alles nur Geschichte(n)? – Leben im doppelten Deutschland“ (Referent: Dr. Vincent Regente) die historischen Rahmenbedingungen der deutschen Teilung aufgefrischt. Im anschließenden Zeitzeugengespräch berichtete Zeitzeugin Manuela Polaszcyk (geb. 1964) von ihren Erfahrungen mit der deutschen Diktatur im Osten. Die gebürtige Baden-Württembergerin war als Baby mit ihrer Familie in die DDR gezogen und wuchs dort auf. Nach einem misslungenen Fluchtversuch im Juli 1984 (ihr Vater war von einem Aufenthalt im Westen nicht zurückgekehrt und die Leistungsschwimmerin hatte versucht ihm zu folgen und über die Ostsee in den Westen zu schwimmen) wurde sie wegen Republikflucht verurteilt und gelangte ein Jahr später im Zuge des Häftlingsfreikaufs in die Bundesrepublik. Nach der Wiedervereinigung stellte sie bei der Einsicht in ihre Stasi Akten fest, dass sowohl ihr Vater als auch ihre Stiefmutter jahrelang als Inoffizielle Mitarbeiter (IM) des Staatssicherheitsdienstes Informationen über sie weitergegeben hatten. Die direkte und offene Art von Frau Polaszcyk, in der sie die Zuhörer an ihren persönlichen Erfahrungen hat teilhaben lassen, hat alle Anwesenden sehr beeindruckt. Durch ihre direkte Ansprache ließ sie keine Berührungsängste aufkommen und ermunterte die Schülerinnen und Schüler stets dazu, Fragen zu stellen - ein Angebot, das regen Zuspruch fand. Die von ihrer Haft gezeichnete, gesundheitlich stark beeinträchtigte Frau nahm kein Blatt vor den Mund. Offen erzählte sie von den Grausamkeiten der DDR-Diktatur, davon, dass es Kindern fast unmöglich war, eine eigene Persönlichkeit zu entwickeln, dass der Staat sich nicht scheute, Kinder mit allen Mitteln zu sozialistischen Persönlichkeiten zu erziehen. Dass die Opfer starke seelische und körperliche Qualen litten - und bis heute leiden - spielte keine Rolle. Alle Anwesenden hatten großen Respekt vor dieser starken Frau, die sich ihren kritischen Verstand nicht hatte nehmen lassen. Geschichte lebt und Opfer von Diktaturen leiden lange. Frau Polaszcyk hat sich dafür entschieden, nicht mehr leise zu leiden, sondern ihre Erfahrungen v.a. an Jugendliche weiterzugeben, damit die deutsche Demokratie auch eine Demokratie bleibt.

weiter Informationen: 

https://www.deutsche-gesellschaft-ev.de/veranstaltungen/bildungsangebote/1236-2020-alles-nur-geschichten.html

https://www.ddr-zeitzeuge.de/ddr-zeitzeugen-recherchieren/ddr-zeitzeuge/manuela-polaszczyk- 473.html

https://www.ardmediathek.de/swr/video/leeroys-momente/ns-zeitzeugin-gegen-das-vergessen-oder-leeroys-momente/swr-de/Y3JpZDovL3N3ci5kZS9hZXgvbzE0MDMyMTU/

 

 

 

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